Wie der Wald in 100 Jahren aussieht, weiß niemand

„Wir stehen erst am Anfang der Klimakatastrophe und doch sehen wir im Wald bereits riesige Schäden“, konstatierte Reinhold Pix, forstpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen am vergangenen Freitag im Heidelsheimer Wald. Neben Michael Durst, Revierleiter im Stadtwald Bruchsal, war er als weiterer Experte zu einer Waldbegehung des OV Bruchsal Bündnis 90/Die Grünen angereist.

Die Veranstaltung hätte aktueller nicht sein können: Einen Tag zuvor hatte Forstminister Peter Hauk den neuen Waldzustandsbericht 2020 für Baden-Württemberg vorgestellt. Darin werden 46% der Waldflächen in Baden-Württemberg als deutlich geschädigt eingestuft.

Durst und Pix waren sich einig, dass sich die Art der Waldbewirtschaftung ändern muss. Nicht mehr eine möglichst hohe Holzproduktion, sondern die Funktion des Waldes als CO2-Speicher müsse an erster Stelle der Überlegungen zur Pflege und Nutzung des Waldes stehen. Klimastabile Wälder müssten das Ziel aller Bemühungen sein. Wie der Wald in 100 Jahren aber genau aussieht, das wisse niemand.

Dem Bruchsaler Wald geht es im Vergleich zu anderen Wäldern in Baden-Württemberg noch relativ gut, erklärte Michael Durst. Er sehe hier „eine Krise, noch keine Katastrophe“. Im Blick auf die Buche etwa erkenne er die Klimaschäden vor allem an alten Bäumen. Bei den jüngeren Buchen habe er die Hoffnung, dass sie sich an die vermehrte Trockenheit eher anpassen könnten. Ein großes Problem heute sei die Naturverjüngung, führte Reinhold Pix ins Feld, da die jungen Bäume sich wegen des fehlenden Regens vielfach überhaupt nicht mehr richtig entwickeln können. Die Forstwissenschaftliche Versuchsanstalt Freiburg habe aktuell 23 Baumarten vorgeschlagen, durch deren vorsichtiges Einfügen unsere Wälder vielfältiger und damit klimastabiler werden könnten.

Im Laufe der Veranstaltung wurden viele weitere Themen, u.a. neue Baumarten, Naturwälder, Wassermanagement, Bodenverdichtung und die Bestandsregulierung von Wildtieren angesprochen. Auch über die geplante Klimastrategie für den Bruchsaler Stadtwald, die der Gemeinderat im Maßnahmenpaket zum European Energy Award jüngst verabschiedete, wurde diskutiert.

25 Interessierte folgten der Führung knapp zwei Stunden über Stock und Stein quer durch den Wald, darunter die grüne Landtagskandidatin für den Wahlkreis Bruchsal, Nicole Heger, die grüne Landtagsabgeordnete und erneut Kandidatin aus Bretten, Andrea Schwarz sowie die Stadträt*innen Ursula Häffner (Grüne), Evelin Steinke-Leitz (Grüne) und Peter Garbe (Neue Köpfe) und für die Grünen im Kreistag Inge Ganter. Nach den differenzierten Ausführungen und engagierten Nachfragen waren alle Teilnehmer*innen nicht nur gut informiert über das Waldthema, sondern durch den kontinuierlichen Regen auch ziemlich nass. Aber, so Reinhold Pix: „Dieses Wetter ist mir am allerliebsten, es gibt nichts Besseres für den Wald.“

 

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